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Datum
17.03.2021

Tiny Houses: Was steckt dahinter?

Minimalismus, Umweltfreundlichkeit und günstige Wohnmöglichkeiten werden in einem Tiny House kompakt zusammengeführt. Ein außergewöhnlicher Lebensstil, von dem sich jedoch auch viel Befreiung hinsichtlich starrer Konventionen versprochen wird. Doch wie zukunftsfähig ist das Konzept des ökologisch leichtgewichtigen Minihauses wirklich? Für wen ist es geeignet und wer sollte dieses Lebenskonzept lieber nochmal überdenken? Welche Aspekte sind zu beachten und wie verhalten sich die Kostenfaktoren gegenüber einer Wohnung oder einem konventionellen Haus? Wir gehen den Fragen rund ums Thema „Tiny House“ nach.

Tiny Houses: Was steckt dahinter?
(GettyImages/Mireya Aciento)

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Tiny House ist naturgemäß eher etwas für Paare oder Alleinlebende
  • Tiny Houses können eine kleine Wohnung adäquat ersetzen – niemals jedoch ein Einfamilienhaus
  • Ein Tiny House kann mobil oder feststehend konzipiert werden
  • Wer selbst baut, spart ggf. viel Geld, hat aber einiges an Arbeit vor sich – vor allem, wenn das Tiny House vollkommen autark und auf eigenem Grund und Boden stehen soll
  • Je nach Konzeption und Eigenleistung können die Kosten extrem variabel sein
  • Zwischenmenschlich sollte es bei Wohngemeinschaften auf jeden Fall passen. Fakt ist: man wird sich sehr nah kommen.

Made in USA

Der Trend zum Tiny House kam aus den USA nach Europa geschwappt. Dort kam die Tiny-House-Bewegung auf, als eine immer größer werdende Wohnungsnot herrschte: im Zuge der Immobilienkrise 2007 beschränkten sich viele Menschen notgedrungen auf eine minimalistische Bleibe. Oftmals mit einem erheblichen Anteil an Do-it-yourself und Erfindungsreichtum. Die Resultate dieses Schaffens fanden alsbald immer mehr Nachahmer, sodass daraus ein regelrechter Trend entstand. Als Motivation dafür wirkten Aspekte wie die materielle Abkehr, die pragmatisch minimalistische Besonnenheit sowie die Umweltfreundlichkeit, die durch das Tiny House gleichermaßen ermöglicht und verkörpert werden.

In den USA ist das Tiny House mittlerweile sogar ein amtlich anerkanntes Baukonzept – soweit ist es hierzulande allerdings noch lange nicht: Zwar hat sich der Begriff „Tiny House“ auch in unserem Sprachgebrauch etabliert, jedoch gibt es keine behördlichen Richtlinien, wann beispielsweise ein Haus als Tiny House zu bezeichnen wäre oder ob der Besitz eines Tiny Houses irgendwelche steuerlichen Vorteile mit sich bringen würde. Trotz dessen steigt die Nachfrage nach Tiny Houses auch in Deutschland weiter an.

Für wen ist das Tiny-House-Konzept geeignet?

Die durchschnittliche Größe eines Tiny Houses liegt bei etwa 40 Quadratmetern – dies ist allerdings kein verbindlicher Richtwert. Sowohl nach oben als auch nach unten gibt es da noch reichlich Spielraum. Jedoch ist ein Tiny House, wie der Name bereits erahnen lässt, erheblich kleiner als ein konventionelles Haus. Daraus ergeben sich einige klare Vor- und Nachteile, derer man sich bewusst sein sollte, ehe man diese unkonventionelle und radikale Form des Wohnens auswählt.

Wenn man zu den Menschen zählt, die in materiellem Minimalismus eine große Freiheit sehen, die bewusst umweltfreundlich leben wollen und dafür auch bereit sind, erhebliche Abstriche zu machen, dann ist ein Tiny House möglicherweise sogar ein ungeahnt erfüllendes Konzept. Wenn man sich schon rein räumlich auf das Wesentliche beschränken muss, wird man nur an dem festhalten, was einem auch wirklich wichtig ist – und was essenziell notwendig ist, versteht sich. Das was viele andere als nicht zu tolerierende Einschränkung empfinden würden, mag für manch andere sogar befreiend sein! Wer sich darin wiedererkennt und möglicherweise einen Partner an seiner Seite hat, der diese Vision teilt, für den kann das Tiny House ein großes Stück Lebensglück sein. Doch Achtung! In dem Fall muss auch die Beziehung auf einem nicht minder soliden Fundament wie das spätere Tiny House stehen – denn aus dem Weg gehen kann man sich darin nur bedingt.

Für wen ist das Tiny House nicht geeignet?

Natürlich ist das Tiny House nicht für jeden etwas, schließlich stößt es für viele schnell an räumliche und somit auch an praktische Grenzen. Zwar lässt sich einiges davon durch ausgeklügelte Ordnungshilfen wieder auffangen und man wird mit Sicherheit sehr viel weniger zu putzen haben, doch für eine Familie mit Kindern wird es schon rein räumlich in einem echten Tiny House eher schwierig werden.

Insofern ist ein Tiny House etwas, was sowohl zum eigenen Selbstkonzept als auch in die Lebensplanung passen muss. Wer viel Wert auf eigenen Raum als Rückzugsort legt oder einfach einen gewissen Wohnraum braucht, wird hier wahrscheinlich nicht glücklich werden. Daher ist es äußerst wichtig, dass eine entsprechende Entscheidung gut durchdacht ist und nicht nur auf übereifrigem Idealismus fußt. Bei der Entscheidung können entsprechende Urlaubsangebote helfen, denn Tiny Houses lassen sich auch mieten. Durch einen solchen Aufenthalt kann man ein Gespür für das Raumgefühl bekommen – allerdings sollte man nicht den Fehler machen, eine angenehme Urlaubssituation auf den späteren Alltag zu übertragen.

Fazit – machbar aber nicht einfach

Es ist definitiv eine Form des Wohnens, für die man gemacht sein muss. Ob und inwiefern damit eine große Kostenersparnis zu realisieren ist, ist extrem schwankend. Denn der Baugrund wird hierzulande nicht billiger, nur weil man ein besonders kleines Haus darauf bauen will. Und einige Formen der Besteuerung sowie wohnliche Notwendigkeiten (Küche, Strom etc.) ebenfalls nicht.

Selbst tief angesetzt, wird man für ein feststehendes Tiny House immer noch um die 50.000 Euro zahlen müssen. Bezugsfertige Tiny Häuser sind auf den Quadratmeter sogar wesentlich teurer als normale Häuser – hier kann es preislich durchaus bis in den sechsstelligen Bereich gehen.

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